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Psychopharmaka - mit Vorurteilen aufräumen!

Montag, 04. März 2019

Vortrag zu Medikamenteneinnahme bei psychischen Erkrankungen stieß auf großes Interesse


Skizze Gesamt-Behandlungsplan psychische Erkrankungen (Ludwig/FWZ)



Psychopharmaka sind ein wichtiger Bestandteil der Behandlung psychischer Erkrankungen. Aber was können Psychopharmaka eigentlich, und was können sie nicht? Das Netzwerk für Nachbarschafts- und Flüchtlingshilfen „über Zaun und Grenze“ des Freiwilligenzentrums „mach mit!“ der Caritas hat zu einem Vortrag eingeladen, um über das Thema „Psychopharmaka – Pillen für die Seele“ aufzuklären. Herr Albrecht Kirchner-Zeitz, Arzt auf dem Gebiet der Psychiatrie vom Sozialpsychiatrischen Dienstes der Diakonie, referierte über Wirkstoffe in Psychopharmaka, Therapieformen bei psychischen Erkrankungen und Alternativen zur Einnahme von Psychopharmaka.

Unter Psychopharmaka versteht man Substanzen, „die die neuronalen Abläufe im Gehirn beeinflussen und dadurch eine Veränderung der psychischen Verfassung bewirken“ (Wikipedia). Sie werden in der Regel zur Behandlung von verschiedenen psychischen Störungen eingesetzt. Die Liste der verschiedenen Wirkstoffe ist sehr lang. Auf die Wirkungsmechanismen verschiedener Psychopharmaka ging Herr Kirchner-Zeitz im Verlauf des Vortrags diverse Male sehr anschaulich ein. Die Zuhörerschaft konnte ganz gezielt die unterschiedlichsten Fragen über diverse Präparate an den Referenten loswerden. Zur detaillierten Beschreibung der Klassifizierung von Psychopharmaka nach ihrem klinischen Anwendungsbereich und des komplexen Wirkungsmechanismus dieser Medikamente sei an dieser Stelle auf Fachliteratur verwiesen.

Machen Psychopharmaka abhängig?
Physische oder psychische Abhängigkeit von Psychopharmaka ist wohl die größte Angst vieler Patienten und das am meisten verbreitete Vorurteil gegenüber der Einnahme dieser Medikamente. Einer Abhängigkeit lässt sich aber gut vorbeugen, wenn man beachtet, dass die medikamentöse Therapie einer psychischen Erkrankung Teil eines Gesamt-Behandlungsplans sein muss. „Es gibt klare Behandlungspläne, die den sachgemäßen Einsatz von Psychopharmaka unter ärztlicher Kontrolle genau beschreiben“, erklärte Kirchner-Zeitz und schickt gleich den wesentlichen Tipp hinterher: „Gehen Sie mit einer psychischen Krankheit zu einem Spezialisten auf diesem Gebiet - sprich zu einem Psychiater!“ Der Gesamt-Behandlungsplan muss aus drei Säulen (siehe Skizze) bestehen. Parallel zur Einnahme von Psychopharmaka ist eine gezielte professionelle Behandlung psychischer Störungen oder psychisch bedingter körperlicher Störungen durch eine Psychotherapie nötig, ergänzt durch soziotherapeutische Aspekte. Im Vergleich: Die Psychotherapie beschäftigt sich mit der Stärkung des „Ichs“ (der „Seele“) mit dem Ziel, dass der Patient besser mit sich selbst und seinen Gedanken und Gefühlen zurechtkommt. Die Soziotherapie legt ein Augenmerk auf das Umfeld eines Menschen, sprich auf die sozialen, häuslichen und beruflichen Aspekte. Sie soll die Alltagsbewältigungsfähigkeiten fördern und erhalten und den Patienten zur Selbsthilfe anregen. Keine der drei Therapieformen kann ein isoliertes therapeutisches Konzept sein, sondern in der Behandlung psychischer Erkrankungen müssen sich alle drei Maßnahmen – die Gabe von Psychopharmaka, eine Psychotherapie und Soziotherapie - grundsätzlich sinnvoll ergänzen. Kirchner-Zeitz führte zur besseren Veranschaulichung ein Beispiel auf: Ein Gips um ein gebrochenes Bein heilt nicht den Bruch, sondern kann nur unterstützend bei der Heilung wirken. Ähnlich verhält es sich bei Psychopharmaka: Sie wirken unterstützend in der Therapie, heilen aber nicht die Grunderkrankung.

Was gibt es für Alternativen?
Vor allem bei der Behandlung schwerer depressiver Episoden, schwerer psychischer Erkrankungen wie Psychosen, Schizophrenie oder einer bipolaren (manisch-depressive) Erkrankung kann auf Psychopharmaka nicht verzichtet werden. Gleiches gilt für die Therapie von Angst- und Zwangsstörungen. Erst durch die auf die Psyche wirkenden Medikamente werden diese Erkrankungen behandelbar, weil dadurch eine Basis für eine gesamtheitliche psychotherapeutische Behandlung geschaffen wird. Eine wirkungsvolle Therapieform bei Depressionen oder Schizophrenie ist auch die sogenannte „Elektro-Konvulsions-Therapie (EKT)“. Das pflanzliche Psychopharmakon Johanniskraut ist bei leichten und mittelgradigen Depressionen eine bewährte Alternative. Zu beachten ist hier aber, dass auch Johanniskraut Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln hat und auch hier ein sachgemäßer Einsatz mit ärztlicher Kontrolle notwendig ist. Einer psychischen Erkrankung oder erneuten Episode kann am wirkungsvollsten Leistungssport entgegenwirken. Wer damit nichts am Hut hat: Es reicht auch genug Bewegung! Gehen Sie spazieren, reiten, Tennis oder Fußball spielen - Hauptsache bewegen!

Hilfe durch den Sozialpsychiatrischen Dienst
Der Sozialpsychiatrische Dienst der Diakonie bietet Beratung bei psychischer Erkrankung und in seelischen Krisensituationen. Es gibt diverse Einzel- und Gruppenangebote, laufend und befristet. Das Angebot ist kostenlos und in besonderen Fällen gibt es auch die Möglichkeit für Hausbesuche. Kontakt in Neustadt/Aisch von Mo.-Fr. 8.00-17.00 Uhr unter Tel.: 09161/873571.

Vormerken - dieser Vortrag wird wiederholt!
Da der Vortrag sehr schnell ausgebucht war, wird das Netzwerk „über Zaun und Grenze“ die Veranstaltung „Psychopharmaka – Pillen für die Seele“ am 27. November 2019 wiederholen. Weitere Informationen und Termine zum Thema „Nachbarschaftshilfe“ im Landkreis Neustadt a. d. Aisch - Bad Windsheim finden Sie unter www.ueberzaunundgrenze.de oder Tel.: 09161-8889 19.
Für Rückfragen kontaktieren Sie bitte: Agatha Ludwig, Koordinatorin Nachbarschaftshilfen im Freiwilligenzentrums „mach mit!“, Ansbacher Str. 6, 91413 Neustadt/Aisch, Telefon 09161/888919, E-Mail: ludwig@caritas-nea.de


 

Koordinationsstelle von "Über Zaun und Grenze" im Freiwilligenzentrum "mach mit!" der Caritas, Ansbacher Straße 6, 91413 Neustadt an der Aisch
Telefon  09161 - 888919 | E-Mail: ueberZaunundGrenze[at]caritas-nea.de